Sagen um die Teck

 

Sibylle auf der Teck

"In einem Schloss tief unten im Sibyllenloch am Fuß der heutigen Burg Teck hauste die Sibylle, eine weise Frau, die hat vielen geholfen, die sich bei ihr Rat holen wollten, denn sie wusste alles und sah die Zukunft voraus.

Viele Schätze von Gold und Edelsteinen hielt sie in ihrem Schloss in der Tiefe versteckt, doch war sie mildtätig - mancher Arme in seiner Not stieg nicht umsonst den steilen Weg zu ihr hinauf.

Aber die drei Söhne der Sibylle waren von anderem Schlag. Sie bauten sich eigene Burgen hinter der Teck das Tal hinauf.

Der eine auf dem Rauber, der andere auf der Diepoldsburg und der dritte auf dem Wielandstein.

Von diesen Burgen aus plagten sie die Bauern und plünderten die Kaufleute aus; kurz, so viel die Sibylle Gutes getan hat, so viel taten ihre Söhne Übles.

Darum schämte sich die gute Mutter ihrer ungeratenen Söhne und wollte nicht mehr in ihrer Nähe bleiben.

Eines Tages fuhr sie mit einem feurigen Wagen, von zwei Wildkatzen gezogen, von ihrer Höhle aus durch die Lüfte - man sah ihre Haare wie eine Lohe in der Abendsonne fliegen.

Aber wohin sie gefahren ist, weiß niemand zu sagen.

Nur an den Stellen, da ihr Wagen auf dem Boden ein Gleis geschnitten, wächst das Korn üppiger als sonst - der letzte Segen, den die Geschiedene den Menschen hinterlassen hat."

 

Verena Beutlin

Auf dem Teckberg, beim Gelben Felsen, befindet sich eine Höhle.

Verena Beutlin soll dort einst mit ihren beiden Knaben in tiefster Armut gelebt haben, ausgestoßen von allen Menschen.

Der Vater der Kinder sei ein verheirateter Mann aus Beuren gewesen, dem es nur heimlich vergönnt war, Fürsorge zu zeigen.

Ein rotes Tuch am Geäst und ein Feuer, dessen Rauchwolke dann den Berg umgab, signalisierten ihm, wenn Not war und die Vorräte ein Ende genommen hatten.

In tiefer Nacht Versorgte er dann unbemerkt die Seinen. Als nun einmal ein harter Winter jegliches Durchkommen unmöglich machte, blieben auch die Notzeichen unbeantwortet.

Verena, dem Hungertod nahe, schickte ihre Söhne hinunter nach Owen um etwas Brot zu erbetteln.

Die Bewohner ließen sich leicht erweichen und gaben den Ausgehungerten zu essen. Jeder fragte die Kinder nach dem Woher und Wohin - da brach das Schweigen der Buben.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde in Owen.

So konnte nur eine Hexe leben!

Man zerrte Verena hinab vom Gelben Felsen in den Kerker der Stadt. Sie beteuerte ihre Unschuld doch auf dem Scheiterhaufen wurde das Urteil vollstreckt. Das Schicksal der Söhne und ihres Vaters liegt im Dunkeln - man sagt dass die beiden Buben in Beuren die Taufe erhalten haben und rechtschaffene Männer geworden sind - die Höhle aber heißt seither das "Verena - Beutlin - Loch".